If you’re well, it will go well – Update 3.0

DigComp 3.0 und ein Update für unser digitales Wohlbefinden.

If you’re well, it will go well – Update 3.0
Offtopic (oder auch nicht): wir feiern dieses Jahr 100 Miles😉

Anfang des letzten Jahres habe ich darüber geschrieben, warum „digital kompetent“ zu sein, vor allem etwas mit unserem eigenen Wohlbefinden, unserer Handlungsfähigkeit und unserem Platz in der Digital Society zu tun hat.

Episode 10.1 - if you’re well, it will go well 🙂
Ich habe ja in den letzten Ausgaben schon ein paar mal über das, was ich die “Simplicity Trap*” nenne, geschrieben: Es ist erstaunlich einfach, mit einer KI zu interagieren, obwohl es ein hochkomplexes System ist, dessen effektiver Einsatz in vielen Fällen nicht trivial ist. Um diese Technologie souverän und verantwortungsvoll

Damals bildete DigComp 2.2 den Referenzrahmen im Hintergrund. Inzwischen ist mit DigComp 3.0 ein neues Kapitel aufgeschlagen worden – und das bringt einige Verbesserungen mit sich, mit denen wir unser „Digital Wellbeing“ gezielt weiterentwickeln können.

Was gleich bleibt: Das Gerüst steht

Die gute Nachricht vorweg: DigComp 3.0 baut weiterhin auf den fünf bekannten Kompetenzbereichen auf:

  1. Information & Daten
  2. Kommunikation & Zusammenarbeit
  3. Digitale Inhaltserstellung
  4. Sicherheit
  5. Problemlösung

Die 21 Kompetenzen bleiben als Struktur erhalten – wir müssen also nicht wieder bei null anfangen. DigComp bleibt damit ein exzellenter Bezugsrahmen, um digitale Skills zu beschreiben, zu fördern und zu messen.
Gleichzeitig signalisiert diese Stabilität etwas Entscheidendes: Der Kern dessen, was wir im digitalen Alltag brauchen, ist kein saisonaler Modetrend, sondern relativ stabil. Die Veränderungen passieren in der Tiefe.

Was sich ändert: Sprache, Tiefe, Anspruch

DigComp 3.0 überarbeitet die Formulierungen der Kompetenzbereiche und -beschreibungen, ohne dabei unnötige neue „Buzzword-Kategorien“ einzuführen. Das klingt technisch, ist aber relevant: Begriffe werden geschärft, aktualisiert und näher an unsere heutige Realität geholt – von KI-gestützten Systemen bis hin zu neuen Formen hybrider Zusammenarbeit. Dadurch werden die Lernziele endlich greifbarer und anschlussfähiger für Bildung, Weiterbildung und Personalentwicklung.

Ein zweiter wichtiger Hebel sind die überarbeiteten Kompetenzstufen. Die Niveaus werden klarer beschrieben und stärker an echten Anwendungssituationen ausgerichtet. Das macht es deutlich leichter, Programme, Rollenprofile oder Assessments sauber zu designen.

KI wird quergelegt statt angeflanscht

Eine der sichtbarsten Neuerungen: KI-Kompetenz wird nicht als extra Kästchen daneben gehängt, sondern quer durch das Modell integriert. DigComp 3.0 versteht Systeme, die auf künstlicher Intelligenz basieren – inklusive generativer KI – als Querschnittsthema. Sie betreffen uns beim Suchen von Informationen ebenso wie bei der Zusammenarbeit, der Content-Erstellung und der Sicherheit.

Damit verschiebt sich die Frage von „Kannst du das KI-Tool bedienen?“ hin zu wesentlich relevanteren Fragen:

  • Wie triffst du Entscheidungen, wenn eine KI Ergebnisse vorschlägt?
  • Wie erkennst du Verzerrungen (Bias), Falschinformationen oder manipulative Inhalte in KI-gestützten Umgebungen?
  • Wie nutzt du KI, ohne deine eigene Urteilsfähigkeit auszulagern?

Das passt nahtlos zu der These aus meinem ursprünglichen Beitrag: Unser „Digital Wellbeing“ hängt nicht daran, ob wir alles automatisieren, sondern daran, ob wir in der Lage bleiben, Verantwortung zu übernehmen und die Orientierung zu behalten.

Desinformation, Rechte, Wohlbefinden: Das Digitale wird politischer

DigComp 3.0 schärft zudem den Blick auf Desinformation, digitale Rechte und Online-Wohlbefinden. Digitale Kompetenz heißt heute nicht mehr nur „Informationen finden“, sondern explizit auch: Manipulation erkennen, eigene Rechte verstehen und Grenzen setzen können – für sich selbst und im Team.

Besonders spannend ist die stärkere Betonung von digitalem Wohlbefinden: Wie gestalten wir unseren Umgang mit Technologien so, dass er uns nicht erschöpft, sondern unterstützt? Damit wird im Framework endlich sichtbar, was in vielen Organisationen längst ein schmerzhaftes Alltagsthema ist: permanente Erreichbarkeit, Meeting-Overload, Informationsflut und algorithmische Timelines.

Genau hier schließt sich der Kreis zum Titel „If you’re well, it will go well“ – DigComp 3.0 erkennt an, dass digitale Kompetenz ohne Selbstschutz, Reflexion und auch ein bisschen Spaß unvollständig ist.

Mehr Formate, mehr Anschlussfähigkeit

Neu ist außerdem, dass DigComp 3.0 in mehreren Formaten gedacht wird, um es für unterschiedliche Kontexte leichter anpassbar zu machen – von der akademischen Bildung bis hin zu Arbeitsmarktinstrumenten. Ergänzt wird das durch ein erweitertes Glossar, das zentrale Begriffe präziser erklärt und damit Übersetzungsschwierigkeiten zwischen Politik, Praxis und Didaktik reduziert.

Für Organisationen heißt das:

  • Es wird einfacher, bestehende Programme an die neue Version anzudocken, statt das Rad neu zu erfinden.
  • Rollenprofile und Kompetenzmodelle können konsistenter mit EU-Standards verknüpft werden.
  • Lernangebote lassen sich stärker an konkreten Lernergebnissen („Learning Outcomes“) ausrichten.

Genau diesen Ansatz verfolge ich in der Praxis: Einige dieser neuen Elemente habe ich beispielsweise bereits fest in den gemeinsam mit der German Business School aufgesetzten Mini-MBA „Digital Competence & AI‑Enablement for Projectmanager“ integriert. Wie das aussieht, habe ich hier angedeutet:

Von der Idee zur App ohne eine Zeile Code zu schreiben
Hands‑on‑Erfahrung mit generativer Softwareentwicklung

Was das für dich und deine Organisation bedeutet

Wenn du den ursprünglichen Beitrag als Einladung verstanden hast, die eigene digitale Handlungsfähigkeit bewusster in den Blick zu nehmen, dann ist DigComp 3.0 die aktualisierte Landkarte dazu. Die Richtung bleibt gleich: Wir brauchen mündige, reflektierte und handlungsfähige Menschen in einer zunehmend von KI geprägten Umgebung.

Die konkreten Implikationen für heute:

  1. KI integrieren: Statt isolierte „KI-Trainings“ aufzusetzen, lohnt es sich, KI konsequent in alle Kompetenzbereiche mitzudenken.
  2. Strategie erweitern: Digitalstrategien sollten explizit Wohlbefinden, Rechte und den Umgang mit Desinformation adressieren – nicht nur Tools und Prozesse.
  3. Klarheit schaffen: Kompetenzmodelle können sich an den aktualisierten Beschreibungen orientieren, um klare Erwartungen und Entwicklungspfade zu definieren.

DigComp 3.0 liefert damit den aktualisierten Referenzrahmen für genau die Fragen, die ich im ersten Beitrag gestellt habe: Wie bleiben wir in dieser digitalisierten Umwelt so „well“, dass es für uns, unsere Teams und unsere Organisationen „well“ gehen kann?


DigComp 3.0

Digital Competence Framework (DigComp)
DigComp provides a common understanding of what digital competence is, as well as a basis for framing digital skills policy.

Live long and prosper 😉🖖


Soundtrack (of course): So what?

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