Episode 10.1 - if you're well, it will go well 🙂

Ich habe ja in den letzten Ausgaben schon ein paar mal über das, was ich die "Simplicity Trap*" nenne, geschrieben: Es ist erstaunlich einfach, mit einer KI zu interagieren, obwohl es ein hochkomplexes System ist, dessen effektiver Einsatz in vielen Fällen nicht trivial ist.
Um diese Technologie souverän und verantwortungsvoll nutzen zu können, braucht es mehr als nur Experimentierfreudigkeit: Es braucht ein vernünftiges Maß an digitaler Kompetenz (beziehungsweise Digital Maturity, wenn man Anglizismen mag) - Aber keine Scheu: Es klingt schwieriger als es ist.
Was bedeutet Digitale Kompetenz / Digital Maturity?
Digitale Kompetenz – so wie sie vom Joint Research Centre der EU im DigComp-Rahmenwerk definiert wurde – geht über das Bedienen von Tools wie Excel oder Smartphones hinaus. Sie umfasst Grundkompetenzen in fünf Bereichen:
- Informationen und Daten finden, bewerten und einordnen (aka Media Literacy**)
- Digital kommunizieren und zusammenarbeiten
- Eigene Inhalte erstellen und kreativ gestalten
- Sicherheit und Datenschutz verstehen und umsetzen
- Probleme lösen und digitale Werkzeuge fehlerfrei einsetzen
(Vielleicht erkennt man schon hier ein zentrales Muster für den Einsatz von KI, den ich in den nächsten Ausgaben aufgreifen und erklären werde 😉).
Der Weg zur digitalen Kompetenz – in 5 konkreten Schritten
Niemand wird mit digitaler Kompetenz geboren – sie lässt sich erlernen. Und das völlig unabhängig von Alter oder Ausbildung. Der DigComp-Rahmen dient hier als Wegweiser:
1. Informationskompetenz (Media Literacy) stärken: Lernen, Informationen und Quellen kritisch zu prüfen. Und wie man diese effizient verwaltet.
2. Digital zusammenarbeiten: Online kommunizieren, vernetzt arbeiten und digitale Tools für den Austausch und die Zusammenarbeit mit Anderen nutzen.
3. Inhalte gestalten: Ob Social Media Post oder Präsentation – kreativ, zielgerichtet und das Urheberrechts- und datenschutzkonform.
4. Sicherheit verstehen: Eigene Daten schützen, starke Passwörter nutzen, KI-generierte Inhalte erkennen.
5. Technische Selbsthilfe: kleine technische Probleme selbstständig lösen, um die Betriebsbereitschaft der wichtigsten Instrumente zu sichern.
Einige dieser Kompetenzen hat man bereits, in mehr oder weniger ausgeprägten Form. Um herauszufinden, wo man steht und wie es um die eigenen "Digital Maturity" steht, helfen Tools wie eine "Digital Skills Scorecard". Sie ermöglichen, den eigenen Kenntnisstand zu erfassen.
Die notwendigen Grundlagen muss man nicht auf einen Schlag entwickeln, es geht auch stufenweise und sollte kontinuierlich sein. Anhand der eigenen Scorecard kann man den Lernbedarf sehr genau auf seine Bedürfnisse zuschneiden.
Digitale Kompetenz – der Schlüssel zum "Digital Wellbeing" ...
Diese Kompetenz ist nicht nur eine Voraussetzung für den bewussten Umgang mit Künstlicher Intelligenz – sie ist grundlegend für unser generelles Wohlbefinden in einer digitalen Gesellschaft. Wer sich sicher im Netz bewegt, digitale Angebote versteht und souverän mit digitalen Tools umgeht, hat besseren Zugang zu Bildung, Gesundheitsinformationen, sozialen Kontakten, Verwaltungsdiensten und beruflichen Chancen. Sie schützt vor digitaler Überforderung, Manipulation und sozialer Ausgrenzung. Digitale Kompetenz bedeutet Teilhabe – und wird immer mehr zur Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben im 21. Jahrhundert.
.... und zum Meistern von KI
Wer KI verstehen und reflektiert einsetzen möchte, muss Informationen prüfen können (-> 1.), mit KI-generierten Inhalten kommunizieren (-> 2.), eigene Inhalte ggf. mit KI-Tools erstellen (-> 3), Risiken wie Datenschutz oder Verzerrungen erkennen (-> 4.) und mit neuen digitalen Tools umgehen, die sich öfters störrig verhalten (-> 5.). Diese fünf Punkte aus dem DigComp-Wegweiser bilden also auch den Handlungsrahmen für jede sinnvolle Interaktion mit Künstlicher Intelligenz – im Alltag, im Beruf und in der Gesellschaft.
Fazit: Digital Wellbeing + KI sind der Weg zum Erfolg
KI ist eine mächtige Technologie – aber ohne digitale Grundkompetenz wird man sich sehr schwertun, sie richtig einzusetzen. Wer hingegen seine Fähigkeiten gezielt ausbaut, kann KI als mächtiges Werkzeug nutzen und ist nicht einer Black Box ausgeliefert.
Ansonsten kann einem das hier passieren, was Disney hier sehr unterhaltsam von Goethe abgekupfert hat 😉 https://youtu.be/B4M-54cEduo
Mehr lesenswertes zum Thema Digital Maturity / Digital Kompetenz
https://initiatived21.de/themen/bildung-und-digitalkompetenzen
Live long and prosper 😉🖖
* Musikbezug 🎧
** im KI Kontext spricht man auch von "AI Literacy"